Arbeitsmarkt & Arbeitsrecht
Gewerkschaften, Sozial- und Krankenversicherungen
In Australien gibt es ca. 300 Gewerkschaften, in denen mehr als 50% aller Beschäftigten organisiert sind. Die Löhne und Arbeitsbedingungen sind daher recht arbeitnehmerfreundlich. Schon Anfang der 50er Jahre setzten die Gewerkschaften die 40-Stunden-Woche durch. Heute ist die Fünf-Tage-Woche mit 38 Stunden und vier Wochen Jahresurlaub die übliche Regelung. Desweiteren werden zehn Feiertage und zwischen fünf und zehn Krankheitstage bezahlt.
Nach einer Beschäftigungszeit von 10 bis 15 Jahren im gleichen Betrieb erhalten viele Arbeitnehmer in Australien zusätzlich einen bezahlten Sonderurlaub "Long Service Leave" von zwei bis drei Monaten. Viele Australier arbeiten jedoch 40 Stunden und mehr. Die gesetzlichen Mindestlöhne werden zwischen der Bundesregierung und den Gewerkschaften in Tarifabkommen festgelegt. Australien galt lange als ein sehr streikfreudiges Land und manch ein Tourist litt in den 80er Jahren unter den Flugpersonalstreiks.
Krankenversicherung und allgemeine Sozialversicherung
In Australien gibt es ein duales System von staatlicher und privater Krankenversicherung. Die staatliche Krankenversicherung, Medicare, wird über Beiträge finanziert, die automatisch in die (Einkommens-) Steuersätze mit eingerechnet werden. Nach deutschen Maßstäben sind die Beiträge sehr niedrig. Dafür sind die Leistungen von Medicare stark eingeschränkt. Zahnarztbesuche und Krankentransporte sind zum Beispiel nicht im Servicepaket enthalten. Bei anderen Leistungen muss man zum Teil kräftig zuzahlen.
Versichert sind alle australischen Bürger und jeder, der eine Daueraufenthaltsgenehmigung in Australien hat. Wer nur ein zeitlich begrenztes Visum hat, ist nicht über Medicare abgesichert. Daher muss in dem Fall der Beitrag nicht gezahlt werden. Die Versicherung über ein privates Versicherungsunternehmen ist auch Medicare-Berechtigten zusätzlich zu empfehlen. Für alle anderen ist eine private Absicherung ohnehin der einzige Weg.
Anders als in Deutschland ist das australische Sozialsystem steuerfinanziert. Es gibt keine separat zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge. Das heißt aber nicht, dass jeder, der Steuern zahlt, auch versichert ist, denn ein Recht auf Sozialleistungen besteht nur, wenn man mindestens zwei Jahre im Land lebt und eine Daueraufenthaltsgenehmigung vorweisen kann. Ansonsten muss man auf Beihilfen wie Arbeitslosenhilfe, Wohngeld, Kinder- oder Alleinerziehungsgeld und alle Arten von Renten verzichten. In der Regel sind die Leistungen deutlich niedriger als in Deutschland. Wenn man sich dauerhaft in Australien niederlassen will, sollte man sich daher zusätzlich privat absichern, vor allem in Bezug auf die Altersversorgung.
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